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Vom Freizeitvergnügen der Mönche im Mittelalter über den Gentleman-Sport des 19. Jahrhunderts zum Massenspektakel unserer Fernsehwelt: die phänomenale Entwicklung des Tennisspiels.

Woher kommt das Tennisspiel?

Irgendwann im 12. Jahrhundert müssen die Mönche in den Klöstern des mittelalterlichen Frankreich angefangen haben, in den Bögen ihres Kreuzgangs mit Bällen zu spielen. Das mittelalterliche Tennisspiel war zu Beginn ein Mannschaftsspiel, in dem sich eine Gruppe von Verteidigern eines Galerietores einer Gruppe von potentiellen Eroberern entgegenstellte.

15./16. Jahrhundert

Gezählt wurde schon damals im 15er-Schritt. Es wird vermutet, dass diese Zählweise sich nach einer Münzeinheit im alten Frankreich richtete, dem «Gros denier tournois», dem in Tours geprägten Grossdenar, der zu Beginn des 14. Jahrhunderts mit 15 Denaren im Kurs stand. Man beschränkte den Spieleinsatz auf vier Grossdenare, was sinnvoll war angesichts der hohen Verluste, die die «Spielerinnen/ Spieler» aus purer Freude am Wetten auf sich nahmen. Geld spielte offenbar schon immer eine wichtige Rolle im Tennis...

England

Im 17./18. Jahrhundert vergnügte sich die höfische Gesellschaft in abgeschlossenen Ballhäusern beim galanten «Jeu de Paume». Ein Engländer war es, der den Tennissport 1874 neu belebte: Major Walter Clopton Wingfield, ein Bekannter des späteren Königs Eduard VII. Wingfield meldete ein Patent an für «eine neue und verbesserte tragbare Anlage zur Austragung des althergebrachten Tennisspiels», das sogenannte «Lawn-Tennis», draussen an der frischen Luft. England wurde erst zur Tennishochburg, als sich «Lawn-Tennis» zu etablieren begann. Bis ins 18. Jahrhundert wurde in Frankreich am eifrigsten gespielt.

Frauen

Auch die Frauen eroberten im Zug der Emanzipation das Tennisfeld. Ihre Bekleidung war allerdings lange ein Problem, denn die Damen trugen noch lange Zeit Röcke, die bis auf den Boden reichten. Heute sind die Röcke und Hosen kurz, die Spielerinnen werden immer jünger, und Tennis wurde zu einem Volkssport, der sich grosser Beliebtheit erfreut.

Tennis – Doppel

Nach der Einführung des aktuellen Regelwerkes wurden 1879 in Wimbledon die ersten Doppel-Meisterschaften ausgetragen. Die vorentscheidende Rolle des Doppels im Davis-Cup-Wettbewerb erbrachte ab 1900 einen ersten, beachtlichen Bedeutungszuwachs.

Olympische Spiele

Die Geschichte des Tennis an den Olympischen Spielen teilt sich in zwei Phasen: Eine Serie mit sieben Austragungen zwischen 1896 und 1924, gefolgt von einer 64jährigen Absenz und einem grossartigen Wiedereinstieg in Seoul 1988.

Grand-Slam

Serie von 4 grossen Turnieren: Australien Open, French Open, All England Tennis Champion Ships und US Open. Wer die vier Turniere im gleichen Jahr gewinnt, hat den «Grand-Slam-Titel» errungen. Er zählt zu den höchsten Auszeichnungen im Tennissport.

Davis-Cup

Wird seit 1900 ausgetragen. Stifter: Dwight Filley Davis, USA. Zuerst als Länderkampf USA – GB, später als Nationen-Wettbewerb. Der Modus – zwei Einzelspiele (4) und ein Doppelspiel – wurde bis heute beibehalten.


Federation-Cup

Der neue Austragungsmodus für den Federation-Cup der Damen hat ab 1995 Gültigkeit erhalten. Man hat sich dabei an den Davis-Cup der Herren angelehnt. In der sogenannten «World Group» spielen acht Mannschaften, dahinter in der «Gruppe 1» ebenfalls acht Mannschaften. Die anderen Nationen bestreiten regionale Begegnungen, in denen man sich für diese beiden Gruppen qualifizieren kann. Es finden Heim- und Auswärtsspiele statt (zwei Einzelspiele und ein Doppelspiel).

Einige Zahlen

1877 Die erste Wimbledonmeisterschaft des All England Lawn-Tennis Club wurde ausgetragen.

1884 Erster Wettkampf für Damen in Wimbledon.

1896 Gründung des Schweizerischen Tennisverbandes.

1900 Gründung des Davis-Cup.

1913 Gründung des Internationalen Tennisverbandes.

1930–1960 Zeit des Gentleman-Tennis; strikte Unterscheidung
                zwischen Amateuren und Berufssportlern.

1968 Erstes offenes Turnier (Hartplatzmeisterschaften in Bournemouth). Offenes
       Turnier auch in Wimbledon.

1975 Gründung des Europäischen Tennisverbandes (ETA).

ca. 1980 High-Tech-Revolution im Tennis (Schläger, Saiten, Bodenbeläge...).

 

Literatur

Gillmeister H., Kulturgeschichte des Tennis, Wilhelm Fink Verlag, München, 1990.

 


Über 100 Jahre Swiss Tennis im Zeitraffer



Von 8 auf über 1'000 Clubs und Centers
Der Schweizerische Tennisverband gehört heute zu den grössten Sportverbänden der Schweiz. Rund 50'000 Lizenzierte, gegen 300'000 organisierte TennispielerInnen in der ganzen Schweiz, über 1'000 Clubs und Centers. Der Blick zurück in die über hundertjährige Geschichte zeigt einen zaghaften Beginn. Acht Clubs gründen am 28. Juni 1896 im Konservatorium zu Bern die 'Schweizerische Lawn-Tennis Association' mit dem Ziel, die Turnierszene zu reglementieren und eine Schweizer Meisterschaft durchzuführen. Es ist ein historischer Tag, denn die acht Clubvertreter des Casino Tennisclub Basel, des International Lawn-Tennis-Club Basel, des TC Bern, des TC Genf, des TC Lausanne, des TC Montreux, des TC Neuchâtel und des Grasshopper Club Zürich, wählten nicht nur ihren ersten Verbandspräsidenten - Baron v. Reuterskiöld vom TC Lausanne - nein, sie hatten eben den ersten Tennisverband auf dem europäischen Kontinent gegründet. Erst später folgen Holland (1899), Deutschland, Oesterreich, Ungarn und Belgien (1902). Noch älter als der Schweizerische Tennisverband sind lediglich die Verbände der USA (1881), Neuseelands (1886), Englands (1888), Kanadas (1890) und Irlands (1895). Klar, dass der 'englische' Einfluss auch in der Schweiz noch Jahre anhalten sollte. Acht Clubs, ein Mitgliederbeitrag von 25 Franken und ein einmaliger Gründungsbeitrag von weiteren 75 Franken: Die Umsetzung der Ideen von damals hat rein sportlichen Charakter, doch schon bald folgen die ersten Diskussionen. Etwa um die Vergabe der Meisterschaften, die bald nördlich und bald südlich einer imaginären von West nach Ost durch die Schweiz gezogenen Linie stattzufinden hätten. Oder um das St. Moritzer Hotel Kulm, das ein 'unautorisiertes Turnier' unter dem Namen 'Swiss Championships durchführt. Oder um den Amateurstatus, denn irgendein (ausländischer) Turnierspieler hat für seine Reise in die Schweiz eine Entschädigung erhalten...


Dauerbrenner Interclub
Bereits 1902 diskutiert die Generalversammlung erstmals über die Einführung eines sogenannten 'Championnats Interclubs', fünf Jahre später wird das Reglement der 'Interclub-Concurrenz' genehmigt und 1911 schreibt die Lawn Tennis Association ihre ersten Interclub Meisterschaften aus. Das Paradepferd der Schweizer Tennisszene erlebt einen ungeahnten Aufschwung mit verschiedenen Anpassungen, neuen Ligen und Kategorien. Doch eines bleibt über die Jahre gleich: Die Austragungsformel mit einer bestimmten Anzahl Einzel- und Doppelpartien. Der Interclub entwickelt sich vom reinen sportlichen Wettbewerb zu einem gesellschaftspolitischen Event, der alljährlich die Massen anzieht. Ein kontinuierlicher Aufwärtstrend über all die Jahre, bestärkt auch durch die Breitenentwicklung, führt die Interclub Meisterschaft an die Spitze der Schweizer Breitensportanlässe. Im Jahr 2003 - 92 Jahre nach der ersten Durchführung mit ... Clubs - nehmen 4'312 Mannschaften mit über 30'000 Spielerinnen und Spielern teil.

Neuartige Meisterschaften
Lange Zeit eher ein gesellschaftlich-sportlicher Anlass, geht die erste Schweizer Meisterschaft (Sieger: A. Bovet) auf das Jahr 1898 zurück. Erst 1913 werden die Damen (Siegerin: C. Peter) miteinbezogen. Während früher mangels Alternativen alle Spitzenspieler an den Nationalen Titelkämpfen teilnehmen, haben sich die Tätigkeitsfelder der (Jung-)Profis in den letzten Jahren extrem verlagert (internationale Karriere). Nicht zuletzt aus diesem Grund hat sich Swiss Tennis entschlossen, 102 Jahre nach dem ersten Swiss Championship auf die Durchführung seiner nationalen Meisterschaften zu verzichten. Mit grossem Erfolg finden hingegen seit 1990 die Clubmeisterschaften unter dem Patronat der Club Champion Trophy statt. Gegen 730 Clubs, mehr als zwei Drittel aller Mitgliedclubs, machen die Club Champion Trophy mit ihren über 30'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, im Jahr 2003 zu einem weitern Eckpfeiler im Schweizer Tennis-Breitensport-Bereich.

Unternehmerisches Denken
Von einem Extrem ins andere bewegt sich die Geschichte der Organisationsstruktur des Verbandes: In den Gründungsjahren führt ein schlankes Comité die Geschäfte, 1941 erfolgt die erste grössere Reorganisation mit der Gründung der vier Regionen. 30 Jahre später wird die Struktur erneut reorganisiert und entsprechend vergrössert (Zentralkomitee, Direktionsausschuss, Direktor, Zentralsekretariat). 1984 werden die Wettkampf-Belange in Wettkampf (Turniere, Interclub, Klassierungen) und Elite getrennt und zehn Jahre später fliessen die neusten Erkenntnisse einer professionellen, schlanken Verbandsführung in die aktuelle Strukturreform ein (Aufhebung des Geschäftsausschusses GA; Verkleinerung Zentralkomitee, Zusammenlegung Elite/Ausbildung zur Abteilung Technik). Unternehmerisches Denken beeinflusst die Verbandspolitik immer ausgeprägter. Mit einer Marketinganalyse werden Schwerpunkte für die Zukunft gelegt. Ein Teil davon fliesst ins Jubiläumsjahr ein: Ein 'Tag des Tennis' beispielsweise, an dem Clubs und Centers am Wochenende des 6./7.Juli 1996 ihre Tore für Neu- und Quereinsteiger öffnen. Promotionen im Sinne einer 'Erlebniswelt Tennis' (wie etwa Gatorade Fun Tennis, ein Mini Tennis-Event in Schwimmbädern) folgen. Zielgruppengerichtet und auf die Zukunft ausgelegt.

Haus des Tennis als Herzstück des Verbandes
Eine Vision ist in den letzten Jahren zur Realität gereift: Das 'Haus des Tennis', das Nationale Leistungszentrum, das in Biel den Spitzensport und die Administration unter einem Dach vereinigt. Das 'Haus des Tennis', ein zweckmässiger Bau ohne Prunk, erstellt an der Sprachgrenze zwischen Romandie und Deutschweiz, ist zum Herzstück des Verbandes gewachsen.

Quelle

www.myTennis.ch


Erste Anfänge

Tennis ist keine englische Erfindung wie vermutet, sondern entstand im 13. Jahrhundert in nordfranzösischen Klosterhöfen. Die in Nordfrankreich verbreitete Vorform des heutigen Tennis wurde "cache" genannt - eine pikardische Dialektform aus dem Lateinischen "captiare" mit der Bedeutung "jagen, fangen". Von Nordfrankreich aus verbreitete sich das Spiel über das restliche Frankreich, weiter nach Flandern und bis nach Schottland. "Cache" wurde bis Ende des 15. Jahrhunderts mit der Hand gespielt, wobei ein Handschuh mitunter vor den harten Bällen schützte. Schläger werden erst im Jahre 1495 erwähnt. Daher kommt die in Frankreich - außer im Norden des Landes - zunächst übliche Bezeichnung "jeu de paume" - Spiel mit der Handfläche.

Zu den mittelalterlichen Klöstern gehörte ein Kreuzgang mit Innenhof, dessen schräges Dach mit Säulen abgestützt wurde. Feststeht, daß das Service auf das Dach der einen Längsseite dieses Kreuzganges plaziert werden mußte. Nachdem auch der Adel der Faszination der Spiels erlegen war, wurde ein Dach als Anspielfläche eingezogen oder man baute es in verschiedenen Variationen nach.

Die ballspielenden Mönche bekamen Nachahmer durch die anderen Stände. Bürger und Bauern spielten "cache"  auf den ebenen und festen Kirchhöfen, was der Geistlichkeit ziemlichen Verdruß bereitete. Scheiben gingen entzwei, und die "Sportgeräusche" störten den Gottesdienst. Die Aristokratie dagegen sorgte sich um die Moral und die Wettleidenschaft ihrer Untertanen, denn auf den Sieger wurden hohe Beträge ausgesetzt. Sie hätten diese Leute lieber bei vermeintlich "sinnvollen Waffenübungen" gesehen. Während die Bürger für ihre Spielleidenschaft auf öffentliche Plätze angewiesen waren, verfügten die spielbesessenen Adeligen über eigene Spielplätze. Zunächst waren es die trockenen Schloßgräben, später eigens angelegte Plätze auf dem Schloßareal, die jedoch für die restliche Bevölkerung unzugänglich waren.

Doch einige wohlhabende Bürger wehrten sich gegen die Vormacht der Adeligen und gründeten 1405 in verschiedenen flandrischen Städten "Tennisclubs", deren Mitglieder das "jeu de paume" in der Halle und im Freien spielen konnten.

Der ganze Innenhof wird zum Spielfeld.


Im Jahre 1464  veranstalteten Bürger in Brügge das 1. Tennisturnier der Geschichte, an dem zwei Teams teilnahmen. In Frankreich und England wurden diese bürgerlichen "Umtriebe" streng bestraft. Der erste namentlich erwähnte königliche Tennisspieler war Ludwig X von Frankreich (geb. 1289). Er bezahlte seinen Sport allerdings mit dem Leben, da er sich nach einem Match erkältete und an einer Lungenentzündung starb. Weitere gekrönte Häupter, die ihr Leben nicht auf dem Schlachtfeld ließen, sondern durch den Tennissport verloren, waren Philipp der Schöne, König von Kastilien und Karl VIII, der sich allerdings auf dem Weg zum Tennisplatz an einem Türpfosten den Schädel einrannte. Andere Herrscher spielten Tennis bis zur völligen Verschuldung.

Die Bürgerliche Margot aus Hennegau, geboren 1402 in Mons, war die erste professionelle Tennisspielerin. Im Alter von 20 Jahren ist sie als Tennisspielerin schon so bekannt, daß sie von Philipp dem Guten, - ebenfalls passionierter Tennisspieler -, gegen Bezahlung verpflichtet wird, an seinem Hofe zu spielen. Sie kehrte mit einer beträchtlichen Geldsumme in den Hennegau zurück, spielte später in Flandern und Brabant Tennis und wurde schließlich  Nonne in einem Kloster bei Naumur,  von wo aus sie die Bewohner im  "jeu de paume" unterrichtete.

 

 

 

Das "goldene Zeitalter"

 

Das 16. und 17. Jahrhundert ist das "goldene Zeitalter" des Tennis. "jeu de paume" entwickelt sich zum Volkssport. Trotz den nach wie vor bestehenden Verboten wird Tennis zunehmend von Bürgern, Bauern und Studenten gespielt. In den Städten entstehen immer mehr offene und überdachte Spielplätze. Jede gesellschaftliche Schicht frönt der Leidenschaft auf ihre Weise, im Schloßhof, in einem eigens angelegten Gebäude oder auf einer Wiese.

 



 

Die beiden "jeux de Paume" im Schloß von Fontainebleau. Die Ziffer "8" weist auf den "Freiluft-Platz" und den bedachten Tennisplatz hin.

 


Der französische König Franz I (geb.1494) läßt 1533 gar auf dem Sonnendeck seines Schiffes "La Grande Francoise" einen Tennisplatz bauen. Sonnensegel schützen den königlichen Spieler vor der Sonne. Der Tennissport beeinflußt auch das übrige Leben. Katharina de Medici kreierte eine Haarmode (coiffure en raquette), die an die diagonale Saitenbespannung der damaligen Tennisschläger erinnert. 

Auch in England hat die Tennisbegeisterung im 16. Jahrhundert einen Höhepunkt erreicht. Heinrich VIII (geb. 1491) ist ein leidenschaftlicher Spieler. Er besitzt mindestens acht Tennisschläger und zahlreiche Tennisplätze u.a. in Richmond, Greenwich, Windsor und Hampton Court. Oft spielt er um hohe Einsätze und bezahlt so in knapp drei Jahren aus seiner Privatschatulle über 3000 Pfund für Spielschulden. Seinen Untertanen schränkt er dagegen das Tennisspielen ein. Adelige und Bürger mit einem Jahreseinkommen über 100 Pfund dürfen einen Tennisplatz besitzen - die anderen benötigen eine Lizenz.

 



 

Königlicher Tennisspieler auf dem Court von Whitehall:

Der spätere König Jakob II als Achtjähriger.

 

 

Mit der Herrschaft von Oliver Cromwell und dem Exil des englischen Königshofes wird der Tennissport in England eingeschränkt. Mit der Rückkehr der englischen Königsfamilie aus dem französischen Exil im Jahre 1660 erlebt der Tennissport eine neue Blüte. Die Zahl der Tennisplätze in Schlössern und Adelsresidenzen wächst ständig. Ballhäuser, heute Tennishallen, entstehen. Herzog Johann Casimir von Sachsen vollendet 1629 in Coburg nach französischem Vorbild ein Ballhaus.

Auch die Studenten entdecken den Tennisport für sich. In Oxford, Cambridge, Poitiers oder Orleans unterhalten einige Colleges und Universitäten eigene Plätze. 1594 wird in Ingolstadt ein Ballhaus für die Studenten "zur Unterhaltung und zweckmäßigen Leibesübung errichtet".





 

Das Ballhaus in Coburg, erbaut für Herzog Johann Casimir von Sachsen, nach einem Stich von Johann Dürr, 1632)

Gleichzeitig werden in Frankreich und England Spielplätze angelegt, die jedermann offenstehen. In Paris existieren Ende des 16. Jahrhunderts nach unterschiedlichen Angaben zwischen 250 und 1.800 Plätze, in Orleans sechzig und in London vierzehn. Das notwendige Schrägdach wird nicht selten durch ein nachträglich angebrachtes Dach an der Vorderfront eines Hauses ersetzt oder durch ein auf drei Holzpflöcke gestelltes umgedrehtes Getreidesieb. Diese Konstruktion ist transportabel und macht die Tennissportler von festen Plätzen unabhängig. Im deutschen Sprachraum gibt es im 16. und 17. Jahrhundert nur ca. 50 Tennisplätze außerhalb der Adelsresidenzen, so z. B. in Frankfurt, Nürnberg, Halle und Leipzig.

Der Tennisball im 16. und 17. Jahrhundert ist mit dem heutigen Hohlgummiball nicht zu vergleichen. Hochwertige Bälle aus Leder enthalten einen Kern aus Wolle, Haupt- oder Barthaar, minderwertige sind mit Sand, Erde oder Metallspänen gefüllt. Verletzungen mit Todesfolge bleiben nicht aus. Marktführer bei der Herstellung der Tennisbälle sind zu jener Zeit die Franzosen, sehr zum Ärger der englischen "Produzenten". In Frankreich wird seit Ende des 16. Jahrhunderts die Lederhülle der Bälle durch eine aus weißem Tuch ersetzt.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts setzt langsam der Gebrauch von Tennisschlägern ein. Sie sind massiv aus Holz gefertigt oder wie Tambourins mit Pergament bespannt. In manchen Matches bis Ende des 16. Jahrhunderts stehen sich dann Spieler mit und ohne Schläger gegenüber. Dem ohne Schläger Spielenden wird ein Handicap von einem Punkt eingeräumt. Anfang des 16. Jahrhunderts werden Schläger erstmals mit Darmsaiten bespannt. Heute sind die Griffe der Tennisschläger wesentlich länger, der Schlägerkopf oval und die Saiten werden nicht mehr diagonal zum Griff bespannt.

"jeu de paume"- mit Holzschlägern (16. Jahrhundert)

Bereits um 1300 sind in Paris mehr als zwölf  "paumiers" tätig, die zunächst der Zunft der Bürstenmacher angehören. Es sind Tennisprofis, die Bälle herstellen und Spielplätze betreuen. Mitte des 16. Jahrhunderts gründen sie die Zunft der "paumiers-raquetiers".  Drei Jahre dauert eine Lehre. Nach einer Gesellenzeit kann die Meisterprüfung abgelegt werden. Der zukünftige Meister muß Tennisbälle und schläger herstellen sowie zwei anerkannte Profispieler in einem Match bezwingen. Im 16. Jahrhundert werden auch spezielle Tennisschuhe hergestellt. Sie haben keinen Absatz und meist Sohlen aus Filz. Gleichzeitig werden die ersten Lehrbücher veröffentlicht. Die bedeutendsten stammen vom Italiener Antonio Scaino, einem Doktor der Theologie. In seinem "Trattoto des gioco della palla" (1555) beschreibt er neben anderen Ballspielen auch das "jeu de paume". Er setzt sich mit der Beschaffenheit des Platzes, der Bälle, des Schlägers, den Regeln und taktischen Fragen auseinander. Monsieur Gosselin, der Bibliothekar des französischen Königs, verfaßt 1579 die "Declaration de deux doubtes qui se trouvent en competant le jeu de paume", die "Erklärung von zwei zweifelhaften Fällen beim Zählen des "jeu de paume".

 
Tennis in der Kritik 

Nachdem sich das "jeu de paume" im 16. und 17. Jahrhundert zum Volkssport entwickelt, wird die Kritik an der Sportart immer lauter. Die Adeligen nutzen die Ballhäuser zum Flirten und um hohe Einsätze zu spielen. In öffentlich zugänglichen Ballhäusern werden alle möglichen Glücksspiele betrieben. Betrügereien nehmen überhand. Weiterhin wird immer noch nach uneinheitlichen Regeln auf unterschiedlich großen Plätzen gespielt. So geht die Zahl der Ballhäuser im späten 17. und 18. Jahrhundert drastisch zurück. Sie werden in Theater und Ballsäle umgebaut. Die Französische Revolution (1789) tut ein übriges, den Untergang des Tennissports in Frankreich zu beschleunigen.

In England können sich die Traditionen des "jeu de paume" besser bewahren, auch wenn sich hier die Anzahl der Plätze und Spieler ebenfalls drastisch verringern. Tennis wird  im 19. Jahrhundert zunehmend der Sport für den exklusiven Landadel. 1878 gibt es noch ca. zwanzig Plätze, auf denen das althergebrachte "jeu de paume" mit dem Service auf das Dach der Galerie gespielt wird. Das "jeu de paume" erhält den Namen "real tennis", "royal tennis" oder schlicht "Tennis".

Zu dieser Zeit entwickelt Major Walter C. Wingfield Rasentennis aus Elementen des field-tennis (wird im Freien gespielt, ohne eigens konstruierten Platz und ohne feste Regeln), Rackets (Vorgänger des Squash), "real tennis" und Badminton, das von ihm genannte "Sphairistike´" "oder "lawn-tennis". Es wird  wie der Name sagt - ursprünglich nur im Freien gespielt. Die aus dem Griechischen stammende Bezeichnung "Sphairistike" (das Ballspiel betreffend) wird bald vergessen. Aufgrund seiner einfachen Spielweise und weil es auf jedem ebenen Rasen gespielt werden kann, tritt das "lawn-tennis" seinen Siegeszug in England an. Statt einer Mauer, einem Dach oder einer Galerie werden nur noch ein Netz und eine trapezförmige Spielfläche benötigt. Major Wingfield läßt sich sein Netz patentieren, das er vom Federball übernommen hat und für sein "lawn-tennis" dreiteilig konstruiert. Die Seitenflügel erinnern an die Seitenwände des alten Tennis. Verwendet werden in Deutschland hergestellte Hohlgummibälle. Der Aufschlag erfolgt aus einem Viereck immer von einer Seite, wobei nur der Aufschlagende punkten kann.

Major Walter Clopton Wingfield im Alter von 40 Jahren mit seinem Schläger, den er zum Preis von einem Pfund Sterling pro Stück verkaufte.

Er starb am 18. April 1912. In seiner Grabrede wurde nicht ein einziges Mal das Wort "Tennis" erwähnt.

1877 richtet der All England Croquet and Lawn Tennis Club das 1. große Rasentennis-Turnier aus. Die Spielregeln entsprechen annähernd  den heutigen. So erfolgt der Aufschlag jetzt von der Grundlinie, und die Punkte werden wie beim alten "jeu de paume" gezählt: 15  30  40 (oder 45). Das Spielfeld ist rechteckig, das Netz niedriger und der Tennisball mit weißem Flanell überzogen.

Frauen haben ebenfalls schon recht früh Zugang zum neuen "Lawn-tennis".1879 dürfen sie in Irland spielen, ab 1884 in Wimbledon. Die Damen tragen lange weiße Kleider, Hüte und nicht selten hochhackige Schuhe.

(aus: Theo Stemmler, Kleine Geschichte des Tennisspiels)

 
Das moderne Tennis erreicht Deutschland. 

1876 führen englische Kurgäste in Bad Homburg das "Lawn-tennis" ein. 1881 wird in Baden-Baden der 1. Tennisclub gegründet. Bereits 1892 werden in Hamburg die ersten Deutschen Meisterschaften durchgeführt, allerdings beschränkt auf eine Konkurrenz, das Herren-Einzel. Fünf Jahre später wird dann auch die Deutsche Meisterin im Damen-Einzel "gekürt." In Deutschland ist Tennis zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Sport der oberen Zehntausend und des vornehmen Adels. Auch die Frauen entdecken den Sport recht früh für sich, sind sie doch von den meisten anderen Sportarten ausgeschlossen.

Beim Lawn-Tennis-Spiel in Bad Homburg im Jahr 1885 aus der Sicht einer Frankfurter Zeitung. Im Vordergrund der Berichterstattung stand zu der Zeit allerdings nicht der Tennissport, sondern der Klatsch und Tratsch der feinen Gesellschaft.






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